Mit Männern kenne ich mich aus. Das liegt auch daran, dass ich beruflich was mit ihnen mache. Also nicht das, was ihr gleich wieder denkt. Das wär mir doch zu arg. Nein, das Geld für die Nylons und die Kleidchen verdiene ich als Teamassistentin im „Latexladen“ inmitten des Finanzplatzes Eschborn-Frankfurt, der deshalb so heißt, also der Laden, weil wir uns in einer schlecht beleumundeten Kunststoffwelt bewegen, der sehr viele Menschen mit Nasenrümpfen und Argwohn begegnen. Wir verdienen nämlich unseren Lebensunterhalt damit, Tante Emma und ihren Konkurrentinnen Plastikschachteln zu vermieten, so groß wie die allerersten Mobilfunktelefone, in die deren Kunden kleine Plastikkärtchen hineinstecken, um damit Ware zu bezahlen. Also neuerdings müssen die Kunden ihre Kärtchen nicht mal mehr in die Kästchen hinein stecken, sondern nur so ein bisschen seitlich dranhalten. Aber das ist sicherheitstechnisch fragwürdig eine komplizierte Geschichte, die ich heute nicht erzählen will.

Teamassistentinnen im Latexladen basteln Bildchen in Power-Point-Präsentationen hinein, bereiten Tante-Emma-Verträge vor, verfassen Mahnschreiben für die Buchhaltung, wenn Tante Emma ihre Plastikschachtelmiete nicht bezahlt hat und zupfen sich auf der Firmentoilette die Augenbrauen, wenn die Chefs ausgeflogen sind. Man nennt so eine wie mich Assistentin und nicht etwa Sekretärin oder Tippse, weil das herabwürdigend wäre ich nicht für einen einzelnen Chef arbeite sondern gleich für drei. Deshalb: Team! Assistenz!

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Ich stelle euch gleich mal meine drei Chefs vor für den Fall, dass ich irgendwann hier etwas über sie aufschreibe. Sozusagen als Vorwarnung.

Der große Gatsby ist ein junger Bursche, jedenfalls gemessen an meinen Altersmaßstäben. Eigentlich ist er easy-going, treibt mich aber regelmäßig in den Wahnsinn, weil er alles und jeden Furz zum Mitnehmen auf Papier ausgedruckt haben möchte, obwohl eigens für die Außendienstler iPads angeschafft wurden, auf denen man Texte prima lesen und sogar Präsentationsfolien ganz toll anzeigen lassen kann. Trotzdem. Papier für Gatsby.
Der Große Gatsby trägt fast immer Hut, weil er damit sein schütteres Haupthaar kaschiert cool aussieht. Ich frage mich, ob er abends bei seiner Frau … You can leave your hat on!

Der Großstadtneurotiker ist der älteste der drei Chefs. Er legt höchsten Wert darauf, nur Kunden in Großstädten zu besuchen. Ich glaube, das liegt daran, dass er wichtige Neukunden nach den Abschlüssen gern mal in gewisse Etablissements einlädt. Dies lassen zumindest seine Spesenabrechnungen vermuten. Solange ich ihm Termine eintrage, die an Orten mit mehr als hunderttausend Einwohnern stattfinden, lässt mich der Großstadtneurotiker in Ruhe.
Bei ihm frage ich mich im Gegensatz zum Fall des Großen Gatsby nicht, ob er abends bei seiner Frau …

Der Kleine Napoleon war irgendwann mal Oberchef von allen, hat aber Federn lassen müssen, was sein cholerisches Temperament noch stärker als früher hervor treten lässt und dann den ganzen Laden in die Agonie treibt. Vor seiner Degradierung hieß der Kleinen Napoleon in meinem Jargon noch Stoppelterrier, weil er nicht nur das Kinn sondern auch sein Haupthaar auf Dreitagebart-Länge rasiert. Er trägt am liebsten gediegene Freizeitkleidung zu bunten Stricksocken und roten Wildlederschuhen. Diese Abartigkeit Angewohnheit in Sachen Modeinterpretation lässt vermuten, dass der Kleine Napoleon auf Sozialisierung an einer Waldorfschule zurückblickt, und führt bei mir zu allergischem Schenkeljuckreiz unter meinen Nylons. Ich würde ihm so gerne mal sagen, was ich von seiner Fußbekleidung halte Leider lässt sich dagegen nichts unternehmen.

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Ihr seht, ich arbeite in einem total coolen Laden mit total coolen Chefs, und ich fürchte schon jetzt den Tag, an dem ich in Rente geschickt werde.

Und was ich noch sagen wollte nur für den Fall, dass es noch nicht aufgefallen sein sollte: Ich steh darauf, Halbsätze erst hinzuschreiben und sie dann doch wieder durchzustreichen.

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